Feuerwehr Wiehl probt den Ernstfall an der Wiehltalbahn

Übungsleiter Oliver Veit im Gespräch mit der Einsatzleitung

Über 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr und DRK trafen sich zu einer Alarmübung auf dem Bahngleis zum Freizeitpark.

 
Am Samstag den 20.10.2012 gegen 13:30 Uhr alarmierte die Rettungsleitstelle Oberberg zu einem erweiterten „Zug-Alarm“ des Löschzuges 1 der Feuerwehr der Stadt Wiehl. Schnell war aber klar dass es sich hier nicht um einen realen Einsatz handelt, aber um eine durchaus ernsthafte Einsatzübung.

Nach ersten Meldungen wurde am Fußgänger-Bahnübergang zum Freizeitpark, kurz vor der Ortschaft Bruch ein Brand im Böschungsbereich des Bahndamms gemeldet. Parallel dazu meldeten Passanten eine Kollision der Wiehltalbahn mit einem PKW und Augenscheinlich vielen verletzten Personen. Neben den Einheiten Wiehl und Oberwiehl waren zusätzlich die Einheit Marienhagen, der Einsatzleitwagen mit einer Führungsstaffel und der DRK-Zug „Einsatz-Einheit Süd“ im Einsatz.

Doch Hektik, Eile und „Action“ im bekannten Sinne blieben aus und das hatte seine Gründe, wie Stadtbrandinspektor Oliver Veit, Zugführer Zug I und einer der Organisatoren dieser Übung berichtete:

„In dieser Übung geht es einmal mehr darum, neben dem Trainieren von feuerwehrtechnischen Fertigkeiten, auch das konzeptionelle und organisatorische Handeln zu üben, zu festigen und gegebenenfalls auch weiter zu entwickeln“. Es sollte daher versucht werden einen gegliederten Übungsablauf zu schaffen und somit die „Chaosphase“ bei der Übung, wie sie im Ernstfall der Lage unvermeidbar ist, auszuschließen! „Im Ernstfall kann eben diese „Chaosphase“ nur dann möglichst zeitlich begrenzt werden, wenn im Übungsfall die Abläufe klar gegliedert und entsprechend dargestellt werden“, so Veit weiter.

So fuhren erst einmal die zwei erstausrückenden Fahrzeuge aus Wiehl und Oberwiehl zur unmittelbaren Einsatzstelle, die anderen Einsatzkräfte sammelten sich im Abrufraum auf der Ladestraße am Wiehler Bahnhof. Koordiniert und Dokumentiert wurde dieser beachtliche Tross an Fahrzeugen von der IuK-Mannschaft (Information und Kommunikation) unter der Führung von Hauptbrandmeister Timo Rosenkranz.

Bei aller vorgenommenen Beschaulichkeit wurde es dann für die erst angerückten Gruppenführer ernst, denn die Lage in ihrer Gesamtheit hatte es wahrlich in sich. “Als wir an der Einsatzstelle eintrafen, ergab sich für uns ein umfangreiches Lagebild, welches erst einmal eine ausgiebige Erkundung forderte“, so Oberbrandmeister Pascal Petermann als einer der ersten Gruppenführer vor Ort. Im Bereich des Bahnübergangs war es wohl zu einem Zusammenstoß eines Schienenfahrzeuges mit einem PKW gekommen, welcher noch einige Meter über das Gleis- und dann den Bahndamm hinunter auf einen Fußweg im Freizeitpark geschoben wurde. Die Fahrerin des PKW wurde dabei in Ihrem Fahrzeug schwer eingeklemmt und Verletzt. Ebenso erlitt der Lokführer schwere und ein Teil der Passagiere leichtere Verletzungen.

Außerdem brannten auf einer Länge von ca. 30 Metern Teile des Böschungsrandes am Bahnkörper. Vermutlich ist es durch die Rauchentwicklung im Straßenbereich erst zu diesem Unfall gekommen, denn die Ursache des Brandes als Folge des Unfalls konnte schnell ausgeschlossen werden. Doch nicht genug, denn im weiteren Verlauf der Erkundungen und nach Hinweisen durch Passanten fand man noch einen Radfahrer, der wohl bei einem Ausweichmanöver während des Unfalls, eine ca. vier Meter tiefe Böschung in Richtung der dort verlaufenen Wiehl hinunter gestürzt war und sich dort schwere, wenn auch nicht lebensgefährliche Verletzungen zugezogen hatte.

„Eine sicherlich weithergeholte Einsatzsituation die wir da erfunden haben, dennoch nicht unmöglich“, so Oliver Veit, der als Übungsleiter das Geschehen beobachtete und von außen sozusagen Regie führte.

Zu Beginn muss die Leitstelle Oberberg unbedingt eine Notfallmeldung an die Unfallmeldestelle der Bahn per FAX weiterleiten um dann eine Sperrung der Bahnlinie und eine Freigabe zum Betreten des Gleises zu erwirken. Erst wenn das geschehen ist darf auch erst das Gleis betreten werden. Weiterhin wird der Notfallmanager der Wiehltalbahn alarmiert, der dann der Rückwertigen Einsatzleitung als Fachberater zur Verfügung steht. Dieser Vorgang funktionierte einwandfrei, denn nach ca. 5 min konnte die Gleisanlage betreten werden und auch der Notfallmanager der Wiehltalbahn, Wolf-Peter Rosenthal, traf schnell an der Einsatzstelle ein.

„Dieses sind zum Teil Vorschriften der Deutschen Bahn, aber auch gemeinsame Absprachen in einem jüngst erarbeiteten und fertig gestellten Einsatzkonzept zwischen der Feuerwehr Wiehl und den Betreibern der Wiehltalbahn“, wie der stellvertretende Leiter der Feuerwehr Jens Schmidt berichtete, der selbst auch als Teil der Führungsgruppe an der Übung mitwirkte.

Im nächsten Schritt übernahm dann der nächsthöhere Dienstgrad der an der Einsatzstelle eintraf, die Einsatzleitung. Unterstützt wurde er dabei durch einen sogenannten Führungsassistenten, der im Grunde als Sekretär den Einsatzleiter unterstützt und ihm dabei den Rücken freihält in dem er als „Sprachrohr“ fungiert. Brandinspektor Ralf Otten übernahm somit die Funktion des Einsatzleiters und Hauptbrandmeister André Schmidt die des Führungsassistenten. Neben den ersten eingeleiteten Rettungsaktionen und Nachforderungen von weiteren Einsatzkräften müssen die beiden Verantwortlichen die Einsatzstelle in kleinere Abschnitte einteilen und außerdem die erste Lagedarstellung skizzieren, um diese dann an die rückwärtige Einsatzleitung zu übergeben. Diese Mannschaft von Führungskräften kümmert sich dann um administrative Tätigkeiten, wie zum Beispiel eine ausgeklügelte Funk-Kanaltrennung, um ein mögliches Gesprächschaos zu vermeiden. Der Einsatzleiter vor Ort wird somit tatkräftig in seiner Verantwortung für die Rettungsmaßnahmen unterstützt.

Im weiteren Verlauf wurden dann die einzelnen Fahrzeuge entsprechend ihrer vorgeplanten Aufgabe in den Einsatzraum beordert. Dabei gilt es besonders auf die Ordnung des Einsatzraumes zu achten, so dass man weiterhin die Möglichkeit hat, An- und Abfahrten zu realisieren. Sei es von der Feuerwehr und dem Rettungsdienst selbst oder aber auch durch die Polizei und sonstigen Institutionen. Diese Ordnung in der Frühphase des Einsatzaufbaus ist sehr wichtig und wird in der Praxis oftmals unterbewertet, wie auch Kreisbrandmeister Frank-Peter Twilling anmerkte, der es sich nicht nehmen ließ seine Wiehler Mannschaft bei der Übung zu besuchen und zu beobachten.

Für Ralf Otten war es die letzte Zugübung in der Funktion des stellvertretenden Zugführers, da er schon seit längerer Zeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr am praktischen Einsatzdienst teilnehmen konnte. “Das machst du richtig gut“, beurteilte Twilling die Tätigkeit von Otten.

Neben der Erstversorgung der verletzten und betroffenen Personen durch den DRK Zug EE Süd unter Leitung von Zugführer Sven Runkel, errichtete man auch einen Sammelplatz, um eine möglichst genaue Logistik für die verletzten Personen zu ermöglichen. „Im Ernstfall wäre das Aufkommen an Rettungsdienst und Notärzten natürlich sehr viel umfangreicher“, waren sich die Einsatz- und Übungsleitung einig. In diesem Einsatzabschnitt 4 wurden also die verletzten Personen mit Hilfe von sogenannten Patientenkarten in die Kategorien Grün, Gelb, Rot eingeteilt, wobei beispielsweise eine rote Zuteilung einen sofortigen Abtransport des Patienten erforderlich macht. Unterstützt wurden die Kollegen des DRK von Hauptbrandmeister Sebastian Schmidt, der im Hauptberuf als Rettungsassistent beim Oberbergischen Kreis tätig ist und sich um die Organisation der Patientenmaßnahmen kümmerte. „Wir konnten hier noch viele wertvolle Tipps vom „Profi“ bekommen“, so ein Helfer des DRK, „Sei es in der Organisation, aber auch beispielsweise über Vorgehensweisen bei verschieden schweren Verletzungsmustern, wie z.B. einer Beckenfraktur“.

 

Der Einsatzabschnitt 1 hatte den Auftrag, die Rettung und Befreiung der verunfallten Personen im Bereich Pkw und Bahnfahrzeug durchzuführen. Während die Rettung des schwer verletzten Lokführers und der meist leicht verletzten Passagieren relativ zügig abgearbeitet werden konnte, war die Aufgabe die schwer eingeklemmte Person aus dem Pkw zu befreien sehr viel aufwendiger. Nach Notärztlicher Erstversorgung des Patienten, entschied man sich für eine möglichst Patientenschonende Rettung. Hierbei ist es besonders wichtig weiterhin aufmerksam zu sein und die Erkundung des Einsatzobjektes stetig weiter zu betreiben. So entdeckte man beim Öffnen des Fahrzeuges eine zwischen Rücksitzbank und Beifahrersitz gefallene Babyschale mit einem Säugling drin. Ein Hinweisschild darauf gab schnell Aufschluss darüber das hier keine schweren Verletzungen vorlagen, so dass die Puppe welche als Requisite herhalten musste, dem Roten Kreuz zur Betreuung überreicht werden konnte. Auch die im Kofferraum transportierte Gasflasche stellte keine weitere Gefahr da und war somit unerheblich für den weiteren Verlauf der Rettung. Großer Dank gebührt den Freunden der Wiehltalbahn die sich als Statisten zur Verfügung gestellt hatten und ihre Aufgabe sehr realistisch wahrnahmen.

Im Einsatzabschnitt 2 wurde dann ein besonders schwerer und starrer „Statist“ als der abgestürzte Radfahrer auserkoren. Um möglichst realistische Übungsszenarien jeglicher Art durchzuführen, hat die Feuerwehr Wiehl einen fast 80 kg schweren Übungsdummy, der nun „verletzt“ aus der Tiefe gerettet werden musste. Dies war alles andere als einfach, denn die angenommene Oberschenkel- und Beckenfraktur verlangte den speziell ausgebildeten Einsatzkräften einiges ab. So musste jede einzelne Person die zur verletzten Person gelangen musste, mit der Spezialausrüstung für Absturzsicherung gesichert werden. Nach der Erstversorgung und Stabilisierung des „Patienten“ konnte dieser dann in einer Schleifkorbtrage, mit Hilfe modernster Technik am Drehleiterfahrzeug, aus der Tiefe gerettet werden. „Das war eine gute Übung für uns, da wir nun auch mal die Möglichkeit wahrnehmen, konnten die Gleise als Festpunkt zur Absturzsicherung zu nutzen“, so Brandoberinspektor Ralf Schneider, der als Abschnittsleiter in diesem Bereich eingesetzt war.“ Außerdem war es eine sehr anspruchsvolle Aufgabe für den Drehleitermaschinisten, der nämlich keine Sicht auf die Absturzstelle hatte und so nur über den Funk eines Lotsen eine Millimeterarbeit vollziehen musste“, so Ralf Schneider abschließend.

Um die Brandausbreitung des sogenannten Bodenlauffeuers in Richtung der Unfallstelle, aber auch zur benachbarten Lagerhalle eines Dachdeckerbetriebes zu verhindern, musste schließlich in Einsatzabschnitt 3 ein schneller und massiver Löschangriff vorgenommen werden. Da im Bereich der Brucher Straße der Einsatzraum für weitere Löschfahrzeuge ausgeschöpft war, entschied man sich aus dem Freizeitpark eine Löschwasserentnahme am dortigen Teich zu erstellen und dann einen Löschangriff mit der Vornahme von 6 C-Rohren durchzuführen. „Die Anfahrt über die dichtbewachsenen Fußgängerwege gestaltete sich mit den zwei Großfahrzeugen schon schwierig“, wie Oberbrandmeister Helge Trippe berichtete, der diesen Abschnitt leitete. Hier konnte man deutlich sehen, dass sich auch das neue Fahrzeugkonzept bei der Feuerwehr Wiehl bestätigt. So hat der neue Gerätewagen Logistik (GW-L) nicht nur die Möglichkeit auf der Ladefläche, die mit einer Transport-Hebebühne ausgestattet ist, diverse Rollcontainer mit Sonderausrüstung mitzuführen, sondern verfügt auch über eine komplette Ausrüstung zur Brandbekämpfung, wie man sie früher nur auf kleinen Tragkraftspritzenfahrzeugen kannte.

Das Ergebnis dieser Übung ist durchweg positiv, die ausgeführten feuerwehrtechnischen Tätigkeiten sogar als sehr gut zu bewerten. Auch das motivierte und konzentrierte Vorgehen der ehrenamtlichen Helfer lässt keinerlei Raum zu Beanstandungen. Doch selbstverständlich fand man nach der Auswertung aller Ergebnisse auch wieder Verbesserungspotenziale. So wird man künftig gerade im Bereich der Kommunikation und den daraus resultierenden Zeitverzögerungen nochmals an der einen oder anderen Stelle die Vorgänge optimieren, auch wenn hier schon auf einem guten Niveau gearbeitet wird. Sicherlich wird es auch künftig noch weitere Übungen mit und an Bahnfahrzeugen geben müssen, da gerade im Bereich der Technik an den Schienenfahrzeugen noch viel Wissenswertes an die Feuerwehr vermittelt werden kann.

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